WAS TUN, WENN MEIN KIND KRANK WIRD?

 

Lange bevor ein Doktor die Krankheit in einem Kind erkennen kann, weiß eine Mutter schon, was sich anbahnt. Der kleine Junge oder das Mädchen wirkt müde, hat glänzende Augen, eine belegte Stimme, eine heiße Stirn, keinen Appetit mehr auf Vanille-Eis und keine Lust mehr, Zeichentrickfilme im Fernsehen anzugucken. Oft sind die allerersten Symptome sehr vage, offenbaren sich nur dem geübten Kennerblick der Mutter: Das Kind spricht weniger, kaut länger an seinem Marmeladenbrot, die Bewegungen sind langsamer, der Blick hat etwas Verträumtes, oder das Kind will abends von allein ins Bett.

 

In solchen Situationen muß nicht immer gleich der Kinderarzt gerufen werden. Bestimmte Warnsignale machen aber die Hilfe des Arztes notwendig:

 

-         Wenn das Kind länger als 24 Stunden erhöhte Schluckbeschwerden und Halsweh mit Fieber hat.

-         Wenn eine Erkältung länger als eine Woche anhält und mit Fieber verbunden ist.

-         Wenn das Kind einen kurzen, trockenen Husten hat, der von Fieber und keuchendem Atem begleitet wird.

-         Wenn das Kind länger als ein oder zwei Stunden Ohrenschmerzen mit Fieber hat.

-         Wenn das Kind zum erstenmal Kopfschmerzen hat.

-         Wenn Bauchweh länger als zwei Stunden anhält oder mit blutigem Stuhl, Erbrechen oder Auswürgen von grünlich-gelbem Schleim verbunden ist.

-         Wenn Übelkeit oder Erbrechen länger als sechs Stunden anhalten oder mit Fieber verbunden sind.

-         Wenn das Kind blutigen Durchfall hat oder wenn es seit acht Stunden nicht mehr uriniert hat.

 

Kinder, die sprechen und sich ausdrücken können, kann man nach ihren Beschwerden, nach Schmerzen oder ihren Empfindungen fragen. Bei Babys ist dies nicht der Fall. Deshalb ist es gerade bei ihnen wichtig, heraufziehende Krankheiten möglichst früh zu erkennen. Rufen Sie Ihren Arzt an, wenn

-         das Kind seine Windeln über viele Stunden hinweg nicht mehr oder kaum nassgemacht hat.

-         der Säugling anhaltend missgelaunt ist und schreit.

-         das Baby immer wieder erbricht.

-         das Kind die Mutterbrust oder das Fläschchen verweigert.

-         das Baby heiser ist, besonders krächzend schreit, wenn es dabei Atemschwierigkeiten und Fieber hat.

-         es häufiger Stuhl hat als gewöhnlich.

-         dieser Stuhl blutig oder schleimig ist.

 

Ihr Arzt wird ganz sicherlich nicht in jedem dieser Fälle unverzüglich herbeieilen. Oft wird er Ihnen am Telefon erste Verhaltensmaßregeln übermitteln.

 

Gehen Sie auf keinen Fall an Ihr Medikamentenkästchen, um den Inhalt der bunten Schächtelchen nach irgendetwas durchzuwühlen, „was vielleicht helfen könnte“. Spielen Sie bei unklaren Symptomen nicht selbst Onkel Doktor. Arzneimittel darf nur der Kinderarzt verordnen. Ihre Aufgabe ist es, die vorgeschriebene Dosierung genau einzuhalten.

 

Ärzte klagen immer wieder darüber, dass Patienten die Dosierungsanleitungen nicht beachten und nach eigenem Gutdünken Arzneimittel verabreichen. Viele Eltern vergessen die Anweisung des Arztes und richten sich ausschließlich nach den Dosierungsangaben auf dem Beipackzettel. Dies birgt gefährliche Risiken in sich. Die Dosierung für einen Säugling ist ganz anders als die für ein vierjähriges Kind, für einen Teenager oder einen Erwachsenen. Was Ihrer fünfzehnjährigen Tochter auf die Beine hilft, kann für einen Säugling Gift sein.

 

Eltern begehen häufig auch den Fehler, dass sie ein Medikament eigenmächtig zu früh absetzen, weil sie meinen, ihr Kind sei längst gesund. Das kann leichtsinnig sein. Tatsächlich wirken Kinder of gesund, im neuen Kräftesammeln und frischen Aufblühen nach einer Krankheit. Erreger, Bakterien, Viren, die Krankheit schlummmern vielleicht noch in ihnen.

 

Machen Sie bei Kindern das Verabreichen von Arzneimitteln nicht zum Verhandlungsthema. Fragen Sie Ihr Kind also nicht, ob und wann es seine Medizin haben möchte. Beruhigen Sie Ihr Kind und verabreichen Sie ihm seine Tabletten oder Tropfen als unabdingbare Notwendigkeit, über die es kein Wort zu verlieren gibt. Arzneimittel schmecken nicht immer gut, gerade dann ist Standhaftigkeit nötig.

 

Wenn das Kind hartnäckig die Medizin verweigert, sollten Sie mit Ihrem Kinderarzt oder Ihrer Kinderärztin über das Problem reden. Vielleicht können Sie das Mittel auch in etwas Süßem auflösen. Oder Sie verabreichen die Arznei und spülen mit süßem Saft oder mit Eiscreme nach.

 

Kleinkinder unter fünf Jahren dürfen keine Tabletten oder Kapseln bekommen, denn die Gefahr sich zu verschlucken, zu ersticken ist zu groß. Wenn das Arzneimittel nicht in flüssiger Form erhältlich ist, können Sie es zerstoßen. Sie können den Inhalt einer Kapsel auch in etwas Wasser oder einer anderen Flüssigkeit auflösen. Sprechen Sie ein solches Vorgehen aber mit dem Arzt ab, denn bestimmte Säfte können die Wirkung eines Medikaments beeinträchtigen.

 

Wie bereits erwähnt, sollten Sie Kindern niemals erzählen, Arzneimittel seien Bonbons. Die Glasur auf Kapseln schmeckt oft süß und ist aufregend und lockt Kinder später an die Hausapotheke mit ihren „vielen bunten Bonbons“. Viele Ärzte sprechen sich gegen farbige und süß schmeckende Arzneimittel aus. Ihr Argument: Kinder sollen möglichst frühzeitig zwischen Medikamenten und Süßigkeitn unterscheiden lernen.

 

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