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DARF
MEIN MANN DIE LIEBE ERZWINGEN?

Jährlich suchen etwa 45 000 deutsche Frauen
Schutz in Frauenhäusern, weil sie Opfer von Gewalttätigkeiten
ihres Mannes oder Partners wurden. Besonders häufig: erzwungener
Geschlechtsverkehr, oft verbunden mit körperlichen Tätlichkeiten.
Aber auch „emotionaler Missbrauch“ weiblicher Partner
wird immer häufiger: erzwungener Sex unter Androhung, Beleidigungen,
Demütigungen aller Art, der Drohung, im Weigerungsfall verlassen
zu werden, die Wohnung räumen zu müssen.
Mitunter kommt es in Partnerschaft nur vereinzelt zu Vergewaltigungen.
Oft geben Frauen nach, in der Hoffnung, dass sich die Umstände
bessern. Nach Auffassung von Rechtsexperten aber verschlechtert
sich die Situation der meisten Frauen nur. Die Angst wächst
oft bis zur Unerträglichkeit, erneut geschlagen, Opfer eines
unter Gewalt erzwungenen Liebesaktes zu werden. Was aufschlussreich
und gleichzeitig bestürzend ist: Rund 92 Prozent der in der
Ehe missbrauchten Frauen halten ihre Situation vor ihrem Hausarzt
geheim. Mehr als die Hälfte - rund 52 Prozent - geben den ehelichen
Terror überhaupt niemandem preis - nicht einmal ihrer Mutter
oder ihrer engsten
Freundin.
Erschwerend wirkt, dass die polizeiliche Kriminalstatistik keine
Aussage zu Gewalt in der Ehe macht. Dabei hat die Gewaltkommission
des Deutschen Bundestags erkannt, dass Gewalt innerhalb der Familie
die verbreitetste Form der Gewalt ist. Dabei sind unter den einer
Vergewaltigung Verdächtigen nur 0,8 Prozent Frauen zu finden,
Opfer sind - bis zu 99,1 oder gar 100 Prozent - Frauen.
In einer Studie an deutschen Frauen wurde die Frage gestellt: „Hat
Sie schon einmal jemand mit Gewalt gegen Ihren Willen zum Beischlaf
oder zu beischlafähnlichen Handlungen gezwungen oder versucht,
dies zu tun?“ Vier Prozent der befragten Frauen antworteten
darauf mit ja. Meistens handelte es sich um wiederholte Gewalt,
in drei Vierteln aller Fälle um unter Gewalt vollzogenen vaginalen
Geschlechtsverkehr.
Kaum zu glauben sind die Ergebnisse des Kriminologischen Forschungsinstituts
Niedersachsen: In dieser Studie unterscheiden Wissenschaftler zwischen
„körperlicher Züchtigung“ als leichtere Gewaltanwendung
und „körperlicher Misshandlung“. Bei diesen schweren
Formen sind Faustschläge, Prügel mit Gegenständen,
Verbrennungen usw. an der Tagesordnung.
Nach Auffassung der Experten wurzelt Gewalt in Ehen und eheähnlichen
Beziehungen in de Überzeugung vieler Männer, ein Anrecht
auf Dominanz zu haben. Die beteiligten Männer sind oft extrem
eifersüchtig, verlangen zu wissen, wo die Frau hingeht, wann
sie wiedergeht, sie üben totale Kontrolle aus. Häufig
sind Misshandlungen auch während der Schwangerschaft. Eine
Untersuchung an deutschen Frauenhäusern kam zu dem Ergebnis,
dass die meisten Frauen Tätlichkeiten täglich, wöchentlich
oder auch vollkommen willkürlich, unvorhergesehen, erleiden
mussten. Die befragten Frauen gaben zu Protokoll, dass sie in der
Ehe zu Dingen gezwungen wurden, die sie nicht wollten.
Für betroffene Frauen gibt es Einrichtungen zum Schutz, der
Beratung und der praktischen Unterstützung. Hilfe gibt es oft
unbürokratisch, praktisch und schnell, insbesondere in dem
relativ dichten Netz von rund 400 Frauenhäusern in Deutschland.
Niedergelassene Ärzte und Ärzte in Krankenhäusern
achten auf Anzeichen starker sexueller und körperlicher Gewalt
bei weiblichen Patienten. Ganz allgemein sollten Frauen ermutigt
werden, eheliche Misshandlungen und Vergewaltigungen zur Anzeige
zu bringen.
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