ICH BEKOMME EIN KIND!
Im Laufe ihres Lebens produziert eine Frau ungefähr zwischen 350 und 400 Eiern in ihren Eierstöcken. Etwa in der Mitte des 28 Tage dauernden Menstruations-Zyklus’ tritt das Ei aus dem Eierstock aus und bleibt wenige Stunden lang befruchtbar.
Mit dem männlichen Samenerguss werden etwa 300 Millionen Samenzellen ausgestoßen. Ein Teil von ihnen dringt ins Innere der Gebärmutter ein und bewegt sich von dort aus weiter in den Eileiter. Das Ganze spielt sich gewissermaßen als Wettrennen ab, denn nur eine einzige Samenzelle kann das weibliche Ei befruchten. Danach umgibt sich das Ei sofort mit einer schützenden Hülle. Samenzelle und weibliches Ei verschmelzen miteinander. Damit beginnt eine neun Monate lange Periode, die zwar von der zauberhaften Erwartung beseelt ist, bald ein Kind zur Welt zu bringen. Die aber nicht immer nur das reinste Vergnügen ist. Davon kann jede Mutter ein Lied singen.
In den ersten drei Monaten wächst das befruchtete Ei nur geringfügig. Es wird pro Tag nur um ungefähr ein Gramm schwerer, und seine Versorgung durch Nährstoffe im Mutterleib ist kein Problem. In der Mutter allerdings gehen jetzt schon Veränderungen vor sich. Gebärmutter und Brüste wachsen, Mutterkuchen und Fruchtwasser formen sich, das Blutvolumen nimmt zu.
Im zweiten Trimester der Schwangerschaft speichert die Mutter viel Fett. Dieses Fett dient als Nährstoffreserve, für den Fall, dass die Mutter keine oder nur wenig Nahrung aufnimmt, also zum Schutz des Fetus. Die Natur ist wachsam, sichert sich gegen Risiken ab. Bei den Tieren ist dies nicht anders.
Im sechsten Monat nimmt das wachsende Kind schon täglich rund zehn Gramm zu. Am meisten aber nimmt sein Gewicht in den beiden letzten Schwangerschaftsmonaten zu, nämlich um die Hälfte seines Geburtsgewichts. Deshalb braucht das Kind in diesen beiden Monaten besonders viele Nährstoffe.
IN DER SCHWANGERSCHAFT MEHR
KALORIEN
Bis nun so ein Baby zur Welt kommt, braucht eine Mutter zusätzlich zu ihrer eigenen Versorgung 80.000 Kalorien zusätzlicher Stoffwechsel-Energie, das sind rund 300 Kalorien pro Tag. Das ist viel, denn Frauen verbrauchen in der Schwangerschaft ohnehin viele Eigen-Kalorien. Weil sie arbeiten gehen, ihren Haushalt in Schuss halten, die Kinder versorgen, Schwangerschafts-Gymnastik betreiben usw. In der Mitte einer Schwangerschaft braucht eine Mutter täglich etwa 2300 Kalorien, in den letzten zwei Monaten zwischen 2500 und 2600 Kalorien. Mütter, die Mehrlingsgeburten erwarten, brauchen noch viel mehr Kalorien.
Früher empfahlen manche Gynäkologen werdenden Müttern, möglichst wenig Speck anzusetzen. Heute warnen Mediziner vor zu geringer Kalorienzufuhr. Als empfehlenswert gilt eine Gewichtszunahme in der Schwangerschaft zwischen zehn und zwölf Kilo. Sehr junge Mütter nehmen relativ wenig an Gewicht zu, ebenso Mütter über 35 Jahren, übergewichtige Mütter, Mütter, die während der Schwangerschaft viel rauchen und solche, die in sozial belasteter Umgebung leben.
Eine junge, gutgenährte Mutter, die sich gesund ernährt, braucht ihre Kost während der Schwangerschaft nicht wesentlich umzustellen. Vielleicht sollte sie Lebensmittel, an die sie gewöhnt ist, einfach in gesteigerter Menge zu sich nehmen. Viele, vor allem junge Frauen haben aber schlechte Essgewohnheiten und beginnen ihre Schwangerschaft in unterernährtem Zustand. Wenn zum Beispiel die junge Mutter schon vor der Schwangerschaft einen Mangel an Eisen und Folsäure hatte, kann sich eine Anämie, also Blutarmut entwickeln, weil das wachsende Baby viele zugeführte Nährstoffe in Anspruch nimmt.
JETZT BLOSS KEINE SCHLANKHEITSDIÄT!
Viele Mütter mit Übergewicht sind ebenfalls mangel- beziehungsweise unterernährt, weil sie häufig Diäten mitmachen. Dies gilt auch für schlanke Frauen, die fürchten dick zu werden. Die Folge ist dann extremer Nährstoffmangel. Oft kommt es auch zu Menstruationsstörungen mit übermäßig starker Regelblutung, was den Nährstoffmangel verschlimmert. Viele Frauen leiden seit ihrer ersten Regelblutung unter einem Mangel an Eisen (während einer Regelblutung verliert eine Frau zwischen 15 und 30 Milligramm Eisen). Viele Frauen haben auch einen zu niedrigen Folsäure-Spiegel. Frauen, die aus Diätgründen wenig essen oder sich ausschließlich vegetarisch ernähren, leiden häufig unter einem Mangel an Vitamin B12. Solche Nährstoffmängel potenzieren sich in der Schwangerschaft, weil das Blutvolumen wächst und das wachsende Kind mitversorgt werden muss. Viele werdende Mütter haben zu niedrige Werte an Calcium, Eisen, Vitamin A, an B-Vitaminen, Vitamin C und an Jod, auch an Zink und Kupfer. Frauen, die vor der Schwangerschaft empfängnisverhütende Pillen genommen haben, leiden oft unter einem Mangel an Vitamin B6, und verstärkt unter einem Mangel an Folsäure.
Eine solche Mangelversorgung lässt sich durch Umstellung auf eine gesunde, nährstoffreiche Kost beheben. Gegebenenfalls sollten nach Absprache mit dem Arzt zusätzlich bestimmte Mineralien, Vitamine oder andere Nährstoffe (Eiweiß) eingenommen werden.
GESUNDE KOST IST WICHTIG
Grundbestandteile einer gesunden Ernährung sind Milch, Käse, Eier, dunkelgrünes Blattgemüse und anderes Gemüse, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Obst und Nüsse. Frauen, die ohnehin schon diese nährstoffreiche Kost zu sich genommen haben und es weiterhin tun, brauchen nach Beginn der Schwangerschaft ihren Konsum an bestimmten Lebensmitteln nur noch etwas anzuheben: zwei Gläser Milch am Tag extra (oder der entsprechende Gegenwert an Käse) oder ganz einfach größere Portionen. Wichtig sind besonders Obst und Gemüse, weil durch diese Lebensmittel der Mehrbedarf an Vitaminen und Mineralien ausgeglichen wird – und zwar ohne Belastung durch allzu viele Kalorien.
Für die Ernährung in der Schwangerschaft empfehlen Wissenschaftler täglich einen Liter Milch. Eine entsprechende Menge Joghurt oder 50 Gramm Käse können jeweils ein Glas Milch ersetzen. Als Ersatz für Fleisch können Eier, Käse, Hülsenfrüchte, Tofu oder Nüsse gegessen werden. Obst und Gemüse sollte eine schwangere Frau viermal pro Tag essen, einmal am Tag dunkelgrünes Blattgemüse. Hinzu kommen vier Scheiben Vollkornbrot pro Tag, wobei Kartoffeln, Vollkornreis oder ein kräftiges Getreide-Müsli Brot ersetzen können. Wichtig ist ein Esslöffel pflanzliches Öl pro Tag.
Wer sich strikt vegetarisch ernährt, nimmt während der Schwangerschaft möglicherweise nicht ausreichend Calcium und Eisen auf, das gleiche gilt – wie schon erwähnt – für Vitamin B12. Frauen, die fleischlos essen, sollten neben Milch, Milchprodukten und Eiern Tofuprodukte in ihren Speiseplan aufnehmen. Die Hälfte des in der Schwangerschaft benötigten Eiweiß sollte aus Milch, Eiern, Bohnen oder Nüssen bezogen werden.
Wenn die Mutter genügend Eisen und Kupfer zu sich nimmt, wird die Leber des Neugeborenen eine ausreichende Reserve an diesen Spurenelementen aufgebaut haben. Diese Reserve benötigt es, weil es hauptsächlich mit Milch ernährt wird, die wenig Eisen und Kupfer enthält. Im Körper eines Neugeborenen sind etwa 0,2 bis 0,3 Gramm Eisen enthalten. Es kommt oft vor, dass das Kind mit einer ausreichenden Reserve an Eisen zur Welt kommt und die Mutter Anämie hat, weil der Stoffwechsel des Babys ziemlich egoistisch alles Eisen für sich beansprucht hat.
RISIKEN IN DER SCHWANGERSCHAFT
Wenn die schwangere Frau Verdauungsschwierigkeiten hat oder ganz einfach keine großen Portionen essen kann (was oft vorkommt), sollte sie über den Tag verteilt entsprechend kleinere Mahlzeiten einnehmen und dazwischen Milch und Fruchtsäfte trinken sowie Obst, Kekse, Käse oder ein Ei essen. Außerdem müssen Frauen in der Schwangerschaft bestimmte Risiken meiden. Dies gilt in erster Linie für Alkohol, der die Plazenta durchdringt und das wachsende Baby und dessen schutzlosen Stoffwechsel erreicht und gefährdet. Gemäßigtes Trinken kann dem Kind ebenso schaden wie exzessiver Alkoholgenuss. Folgen können Missbildungen, Wachstumsstörungen, Sprach- und Sehstörungen, vor allem aber Störungen des Zentralnervensystems und psychische Schäden sein. Alkoholgenuss kann auch zu Fehl- und Frühgeburten führen. Nach einer Statistik erleiden Frauen, die im zweiten Drittel der Schwangerschaft täglich drei oder mehr Drinks zu sich nehmen, dreimal häufiger Fehlgeburten als Frauen, die sich auf täglich einen Drink beschränken oder gar keinen Alkohol trinken.
Nikotin stört die Blut- und Sauerstoffversorgung des Ungeborenen ganz erheblich und kann zu Fehl- oder Totgeburten sowie zu schweren körperlichen und geistigen Schäden des Babys führen. Kinder von stark rauchenden Frauen schneiden in Körperfunktions- und Intelligenz-Tests durchschnittlich schlechter ab als Kinder nichtrauchender Mütter. Wenigstens während Schwangerschaft und Stillzeit sollten Frauen also auf die geliebte Zigarette verzichten.
Ganz besondere Vorsicht ist während Schwangerschaft und Stillzeit mit Medikamenten geboten. Nicht umsonst enthalten Beipackzettel die entsprechenden Warnungen. Trotzdem greifen viele Frauen viel zu leichtsinnig zu Arzneimitteln, deren Wirkstoffe das wachsende Kind erreichen und gefährden können. Medikamente sollten während Schwangerschaft und Stillzeit grundsätzlich nur in Absprache mit dem Arzt eingenommen werden. Dies gilt auch für scheinbar harmlose „Hausmittelchen“.
Schwere körperliche Arbeit, das Tragen schwerer Lasten sollten werdende Mütter meiden. Schwangere Frauen haben ohnehin genug zu tragen. Gegen leichtere Tätigkeiten im Haushalt ist nichts einzuwenden. Gehen Sie keine unnötigen Risiken ein. Steigen Sie also nicht auf wackelige Küchenhocker, wenn Sie Vorhänge aufhängen oder eine Glühbirne einschrauben wollen.
Tragen Sie während der Schwangerschaft leichte, locker sitzende und nicht einengende Kleidung. Ihre knappsitzenden Jeanshosen dürfen ruhig mal ein paar Monate Urlaub im Schrank machen. Versuchen Sie auch nicht, Ihren Zustand zu verbergen, indem sie möglichst lange Ihren Gürtel so eng schnallen wie zu Beginn Ihrer Schwangerschaft. Auch heranwachsende Babys können sich eingeengt fühlen. Und ziehen Sie warme, dicke Unterwäsche an, um Erkältungen zu vermeiden, auch wenn modische Slips hübscher aussehen. Frauen in der Schwangerschaft müssen nicht jeden Tag einen Schönheitspreis gewinnen. Auch Ihr Mann wird für dieses Argument Verständnis aufbringen.
AUCH SPORT KANN UNGESUND
SEIN
In Sachen Sport ist Vorsicht geboten. Ganz klar, dass schwangere Frauen nicht versuchen sollten, den Rekord im Stabhochsprung zu brechen oder beim Frauenringkampf mitzumachen. Dieser Hinweis ist bewusst überzogen, aber keineswegs so total abwegig. Wenn man in wissenschaftlichen Bibliotheken die gesammelten Erfahrungen von Gynäkologen studiert, stößt man auf die haarsträubendsten Dinge. Da ist von Frauen die Rede, die sich im letzten Trimester ihrer Schwangerschaft extrem steile, vereiste Skipisten hinunterstürzen, Auto-Rallyes mitfahren, wie verrückt Tennis spielen oder auf hohe Berge klettern.
Meiden Sie vor allem in der zweiten Hälfte Ihrer Schwangerschaft alle Orte, an denen Sie sich mit Krankheitskeimen infizieren könnten. Also zum Beispiel Hallen- oder Freibäder. Ihre Badewanne zuhause sollte stets sorgfältig gereinigt sein. Gehen Sie häufig an die frische Luft und meiden sie in den letzten Schwangerschaftswochen beschwerliche Autofahrten. Sie wissen: So manche Weekend-Fahrt bleibt im Stau stecken – und dies ist für eine Frau kurz vor der Entbindung nicht immer angenehm. Überlassen Sie in der „Schlussphase“ vor der Niederkunft den Platz am Lenkrad Ihrem Mann. Und delegieren Sie Tätigkeiten, zum Beispiel das Einkaufen, Arbeiten in Garten oder Haushalt an Ihren Mann oder an Ihre Kinder.
Genießen Sie die Zeit, in der Sie allein die Hauptperson sind. Diese Zeit verstreicht rasch genug. Dann nämlich steht eine andere Person im Mittelpunkt des Familieninteresses ...