Meine Hausapotheke

WAS MUSS ALLES REIN? WAS MUSS ALLES RAUS?

Das arme Arzneikästchen

In so manchem Haushalt ist das Medikamentenkästchen leider das am lieblosesten behandelte Möbelstück. Kunterbunt durcheinander liegen da halbausgedrückte, vertrocknete Tubsensalben, seit Jahren verfallene Pillen, Schächtelchen ohne erläuternde Beipackzettel, mit Kapseln oder Tabletten, die Rätsel aufgeben: Sind die gegen Sodbrennen? Oder gegen sind`s Vitaminpillen? Oder etwa Aspirin?

Ausgelaufene Fläschen liegen da, vergilbtes, verschmutztes Verbandszeug - ein Sammelsurium, das signalisiert, dass die Hausapotheke seit vielleicht Jahren nicht benötigt wurde. Die Kehrseite: Wird dann doch einmal in Eile eine Erste-Hilfe-Arznei gebraucht, dann ist der praktische Nutzen des Kästchens dahin.

Immer mal wieder Inventur

Von Zeit zu Zeit muss jedes Arzneikästchen einer gründlichen Inventur unterzogen werden. Grundsätzlich müssen sämtliche rezeptpflichtige Medikamente, die noch von einer Behandlung zurückliegender Krankheiten herrühren, ausgeschieden werden. Derlei Tabletten, Tropfen, Salben oder Zäpfchen verleiten rasch zur gefährlichen Therapie irgendwelcher Wehwehchen mit dem falschen Präparat. Ärzte und Klinikpersonal haben da so ihre Erfahrungen. So mancher Patient guckt nur mal kurz auf das lästige Wirrwarr von Texten auf dem Beipackzettel - und schluckt Pillen, die seinen ohnehin zu hohen Blutdruck weiter ansteigen lassen.

Arzneimittel können Giftstoffe entwickeln

Viele Medikamente verändern sich in ihrer chemischen Zusammensetzung, wenn sie lange Zeit Luft, Licht oder Feuchtigkeit ausgesetzt sind. Die schützende Lackglasur auf Dragees kann platzen, nicht fest genug verschraubte Fläschchen lassen Luft eindringen. Tabletten bröckeln oder weichen auf. Arzneimittel können dadurch an Wirksamkeit verlieren. Was sich freilich verheerender auswirkt: Sie können in der Verbindung mit Sauerstoff und anderen Substanzen Giftstoffe entwickeln, die Beschwerden eher verschlimmern als heilen.

Raus mit undefinierbaren Arzneimitteln

Jedes Medikament ohne Etikett oder auch ohne Beipackzettel ist ein Risiko. Es muss raus aus dem Arzneikästchen - wenn die Kapseln auch noch so hübsch bunt glänzen und neu aussehen. Dies gilt auch für ausgetrocknete Tuben, aus denen vor undenklicher zeit mal ein Strang Hautcreme gegen Neurodermitis oder sonstwas ausgepresst wurde. Oder für Tropfen, Tinkturen oder andere Flüssigkeiten, die trübe im Fläschchen schaukeln und wolkige Rückstände auf dem Fläschchenboden abgesetzt haben. Dass das Arzneimittel nicht gerade billig war (auf dem winzigen Apothekenetikett prangt noch immer der stolze Preis: 29,90), ist kein Grund, es an nächste Generationen weiter zu vererben.

Viren, Pilze, Bakterien lieben verstaubte Arzneikästchen

Nirgendwo lässt sich so toll und nährstoffreich leben als im Tohuwabohue teilweise benutzter Augenklappen, Dreieckstücher, Wattebäusche, Klebepflaster, Binden, Mull, die allesamt im dumpfen Dunst und Geruch ausgelaufener Wirkstoffe dahin faulen. Packungen sind verstaubt, verschmutzt, auf den ersten Blick zwar "noch recht brauchbar", aber angebrochen, der Inhalt alles andere als steril. Milliarden und Abermilliarden ehrgeiziger Mikroben, nimmersatter Krankheitserreger, brüten darin, lauern mit zäher Geduld darauf, dass diese hübsche Mullkompresse bald auf eine schön blutende Schürfwunde aufgelegt wird - zum Zwecke der eigenen explosiven Vermehrung.

Wissenschaftler haben mal versuchsweise Bakterien in eine "künstliche Wunde" in einem Glasschälchen eingelegt. Innerhalb von zehn Stunden wurden aus ursprünglich rund 100 Erregern mehr als 20 Millionen!

Hausapotheke von Kindern fernhalten

Nach dem Ausmisten sämtlicher unbrauchbarer Medikamente oder aber auch bei der Neugestaltung eines Hausapotheke taucht die Frage auf: wohin damit? Wichtig: Wenn Kinder im Haus sind, muss das Arzneikästchen verschließbar sein. Es soll in keinem Raum stehen oder hängen, der zeitweilig oder immer feucht ist, also scheiden Badezimmer und Küche grundsätzlich aus. Arzneimittel mögen es am liebsten trocken, kühl und dunkel. Die Wahl des Aufbewahrungsortes bleibt Ihnen überlassen.

Was alles in eine Hauspotheke gehört

  • Verbandwatte
  • Verbandzellstoff
  • mehrere Verbandpackungen
  • mehrere Schnellverbände
  • Dreieckstücher
  • Ein Päckchen Papiertaschentücher
  • Mullbinden in verschiedenen Größen
  • Brandbinden
  • Fieberthermometer
  • Augenbinde
  • Pinzette
  • Mundspatel
  • ein Sortiment Wundpflaster
  • ein Sortiment Heftpflaster
  • ein kleiner Spiegel
  • eine Schere
  • Sicherheitsnadeln
  • Wundsalbe
  • Wundpuder
  • Desinfektionsmittel
  • Schmerzmittel (z.B. für Kopf
  • oder Zahnschmerzen)
  • Mittel gegen Husten, Schnupfen, Erkältung
  • Beruhigungsmittel
  • Mittel gegen stumpfe Verletzungen
  • Mittel gegen Sonnenbrand, Insektenstiche
  • Mittel gegen rheumatische Beschwerden, Hexenschuss usw.
  • Ein Sortiment Kräutertees
  • Ein Vitamin-Kombipräparat

Hausapotheke individuell ausstatten

Die oben aufgeführten Empfehlungen können nur grundsätzlich gelten. Je nach Alter der Familienmitglieder müssen sie entsprechend modifiziert werden. Wenn kleine Kinder unter den Familienmitgliedern sind, dürfen demnach spezielle Mittel für die Therapie typischer Kinderkrankheiten nicht fehlen. Wenn ältere oder alte Menschen in der Familie leben, muss die Hausapotheke eine ganz andere Zusammensetzung aufweisen.

Die Apothekerin oder der Apotheker berät Falle Sie Fragen haben oder im Zweifel sind: Nutzen Sie deren Fachwissen - es steht Ihnen unentgeltlich zur Verfügung. Ihre Apotheke ist mehr als nur Verkaufsstelle für Medikamente. Sie ist der gute Freund Ihrer Gesundheit in der Nachbarschaft.