GESUNDE
ERNÄHRUNG FÜR KINDER
Eines
haben wir Menschen mit allen Tieren gemeinsam: die Fürsorge um unsere Kinder.
Doch während dieser wichtige Erhaltungstrieb bei Tieren ganz instinktiv ist,
haben menschliche Eltern von morgens bis abends bei aller Freude auch viele
Sorgen. Die beginnen bei Ernährung und Kleidung der Kinder und hören bei Spiel-
und Sportplatzverletzungen oder den häufigen Erkältungskrankheiten auf.
Mit
Empfehlungen, was unsere Kinder essen sollen und was nicht, hat es so seine
Bewandtnis. Kinder durchrasen bis zum 18. Lebensjahr eine Zeit, in der sich
ihre physiologischen (körperlichen) und psychischen (geistigen) Ansprüche sehr
verändern. Mädchen sind außerdem ganz anders als Jungen.
Es
gibt keine grundsätzlich ideale Kost für diese 18 Jahre. Denn gerade im Essen
und in Essgewohnheiten finden Kinder im Laufe ihres Wachstums ihre eigene Identität.
Was Kinder und Teenager angeht, ist es sinnlos, die optimale Ernährung mit
Nährstoff- und Kalorientabellen auszurechnen.
Essen
bedeutet speziell für etwas größere, heranwachsende Kinder nicht nur Versorgung
mit den sechs wichtigen Nährstoffen Wasser, Kohlenhydrate, Eiweiß, Fett, Vitamine
und Mineralien. Sondern essen kann auch Protest bedeuten, Befreiung, Selbstfindung.
Dann kann Junk-Food (wie die Amerikaner Pizza, Hamburger usw. nennen) manchmal
besser sein als das Essen, das die Mama zuhause auf den Mittagstisch stellt.
Weil Junk-Food dem Selbstverwirklichungs-Bestreben von Teenagern entgegenkommt.
Im
Alter von etwa 10 Jahren – und manchmal früher, manchmal später – werden Kinder
nicht mehr gefüttert, sondern sie essen selbst. Bis dahin gelten die Normen
für gesunde Ernährung. Danach wird alles ein wenig komplizierter.
MÄDCHEN
ESSEN ANDERS
Kinder
brauchen jetzt mehr Kalorien und andere Nährstoffe als in jedem anderen Alter,
von den ganz frühen Wachstumsjahren abgesehen. Jungen, die viel Sport treiben,
verbrennen täglich 4.000 Kalorien und mehr. Mädchen schießen ab zehn, elf
Jahren
in die Höhe, Jungen mit einer Verzögerung von ungefähr einem Jahr. Das Wachstum
von Mädchen ist oft im Alter von 15 Jahren abgeschlossen, das von Jungen mit
durchschnittlich 19 Jahren.
Wegen
der unterschiedlichen Sexualhormone setzen Jungen mehr mageres Gewebe wie Muskeln
und Knochen an, im ausgewachsenen Zustand haben sie etwa acht Prozent Fett als
Körperanteil. Mädchen setzen bis zu zwanzig Prozent Fett an. Weil
sich Mädchen meist weniger bewegen, brauchen sie weniger Kalorien.
Mädchen
essen im Teenager-Alter oft weniger, weil sie schlanken Fotomodellen und Filmstars
nacheifern. Mädchen fürchten sehr, dick zu werden. Weil sie weniger essen, nehmen
sie weniger Vitamine und Mineralien zu sich. Sie brauchen aber für ihre Entwicklung
ebensoviel Calcium, Phosphor, Zink, Jod, Vitamin B6,
Vitamin B12,
Folsäure, Vitamin C und Vitamin D wie Jungen. Weil sie durchschnittlich um ein
Fünftel weniger essen als Jungen, müssen sie diese Nährstoffe aus zwanzig Prozent
weniger Nahrung herausholen. Deshalb müssen gerade Mädchen ganz besonders nährstoffreich
essen. Kinder, die ins Teenager-Alter kommen, fangen an, sich für ihre Ernährung
selbst verantwortlich zu fühlen. Sie zeigen plötzlich die verrücktesten Essgewohnheiten.
Vor allem die Mädchen wollen jetzt
anders sein und anders essen als der Rest der Familie. Also verzichten sie auf
manche Mahlzeit ganz, stopfen sich dafür zwischen den Mahlzeiten mit Schoko-Riegeln,
Gummibärchen, Kuchen oder Mohrenköpfen voll, oder sie treffen sich eine halbe
Stunde nach dem Abendessen noch einmal mit Freunden zum Pizza-Essen.
Wenn
sie wegen dieser Gewohnheiten getadelt werden, kommen manche Mädchen gar nicht
mehr an den Essenstisch und machen ihren kleinen Geschwistern weis, feste Mahlzeiten
seien ohnehin blöd. Wenn
Teenager-Mädchen im Schulhof beisammen stehen und sich mit dickmachenden Pommes
frites vollstopfen, diskutieren sie darüber, welche Diät am schnellsten schlank
macht und einen toll aussehen läßt.
Jungen
hingegen fürchten weniger die Extra-Pfunde als ein Dasein ohne beeindruckende
Muskelpakete. Deshalb fasten sie weniger und essen mehr. Leider fallen sie häufig
auf Versprechungen herein, die Muskelwuchs mit Eiweißkost gleichsetzen.
Ihr
Hunger konzentriert sich dann bevorzugt auf Lebensmittel, die viel Eiweiß enthalten.
VORSICHT
SÜSSIGKEITEN!
Insgesamt
nehmen unsere Heranwachsenden bereits ein Viertel ihrer Kalorien in Form modischer
Snacks zu sich wie Hamburger, Pizza, Milch-Shakes, Candy-Riegel, Schokolade,
zuckerhaltige Kaugummi, Pommes frites, Kartoffel-Chips, Salzstangen oder süßes
Gebäck.
Diese
Form von Ernährung ist Teil ihres kommunikativen Verhaltens. Zwänge man sie
zu normalen Mahlzeiten und Essenszeiten, dann brächte man sie um das Vergnügen
anders zu sein, beziehungsweise so zu sein wie alle anderen. Teenager
haben nicht viele Möglichkeiten, Abstand zwischen sich und Erwachsenen herzustellen,
um so zu einer eigenen Welt zu finden, die es vorher nicht gab.
Ihre
eigentliche Welt ist oft weniger das heimische Wohnzimmer als irgendwelche Fast-Food-Einrichtungen
wie Hamburger-Restaurants, Pizzerien, Frittenbuden und ähnliches.
Weil
dies alles auch ein wenig überhand nimmt, haben Wissenschaftler dieses Fast-Food
genauer unter die Lupe genommen. Das Ergebnis ist erstaunlich: Hamburger und
Pizza sind besser als ihr Ruf.
Wenn
ein 13jähriges Mädchen viermal am Tag einen Cheeseburger mit Pommes frites isst
und diese kulinarische Köstlichkeit mit einem Milch-Shake hinunterspült, nimmt
sie 4100 Kalorien zu sich (2200 sollten es eigentlich nur sein). 17 Prozent
dieser Kalorien stammen von Eiweiß (eine überraschend gute Quote), 39 Prozent
aus Fett (weniger als man meinen möchte, trotzdem noch zu viel) und 44 Prozent
aus Kohlenhydraten.
Wenn
unser Teenager nur drei solche Mahlzeiten pro Woche einnimmt, kommt er auf rund
3000 Kalorien. Wenn das Mädchen einmal die Pommes frites weglässt, werden es
noch weniger. Noch günstiger sieht die Bilanz bei der Pizza aus: 15 Prozent
Eiweiß, 27 Prozent Fett, 58 Prozent Kohlenhydrate.
Insgesamt
ein recht ausgeglichenes Verhältnis. Allerdings: Unsere Kinder müssen über die
Risiken einer solchen Ernährung aufgeklärt werden. Denn Kalorien summieren sich
schnell, vor allem, wenn zwischen den Mahlzeiten noch Snacks und Süßes gegessen
wird.
WICHTIGE
INFOS
-
Hamburger selbst enthalten nicht viel Fett, dafür aber die of beigefügten
Saucen, Majonaisen.
-
Kartoffeln
enthalten wichtige Kohlenhydrate, aber als Pommes frites sind sie sehr fett
(bis zu 70 Prozent Fettanteil an Kalorien) und machen dick.
-
Auf
Mahlzeiten verzichten, bedeutet Mangel an Energie und Konzentration. Ein Stück
Pizza als Spätmahlzeit am Abend schadet hingegen nicht.
-
Man
wird schneller dick als man glaubt, denn beim Heranwachsen hat der Körper möglicherweise
die letzte Gelegenheit, Fettzellen einzubauen. Deshalb: Wer als Teenager dick
ist, bleibt meistens für immer dick. Zehn
Prozent aller Kinder zwischen 13 und 19 Jahren sind zu dick, und ein noch viel
größerer Prozentsatz hat Übergewicht.
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Ohne
Obst, Salat und Gemüse bleibt man auf Dauer niemals schlank oder athletisch.
IM KÜHLSCHRANK
NUR GESUNDE SNACKS
Teenager
haben of Hunger, vor allem dann, wenn sie den häuslichen Mahlzeiten fernbleiben.
Mütter beobachten dann immer wieder dieses Sichherumdrücken in der Küche und
um den Kühlschrank. Wenn größere Kinder abends heimkommen, statten sie häufig
zuallererst dem Kühlschrank einen Besuch ab. Viele Mädchen, die tagsüber aus
Schlankheitsgründen fasten, plündern abends den Kühlschrank halbleer. Manchmal
vernehmen Mütter nachts Geräusche in der Küche. Und wenn sie nachgucken, sitzt
die halbverschlafene Tochter da und stopft Käsebrote in sich hinein.
Deshalb
sollte der Inhalt des Kühlschranks und der Lebensmittelschränke gründlich überprüft
werden. Sortieren Sie alles aus, was zu zuckerhaltig ist und zuviel Fett enthält,
was mit zu vielen Konservierungsmitteln belastet ist und was nährstoffarm ist.
Wenn Ihr Kind Hunger hat, sollte es stets nur vollwertige Nahrung vorfinden:
Milch, Käse, Joghurt, ein gesundes Müsli, Vollkornprodukte, Nüsse, Rosinen,
Bananen, Fruchtsäfte – und viel frisches Obst. Schon bald werden Ihre Kinder
Kartoffel-Chips, Salzstangen, süße Riegel oder süßes Gebäck gar nicht mehr vermissen.