BEGABUNGEN ERKENNEN UND FÖRDERN

 

Versuchen Sie möglichst früh Neigungen und Talente Ihrer Tochter oder Ihres Sohnes zu entdecken. Treffen Sie dabei Ihr Urteil nicht vorschnell nach nur oberflächlicher Beobachtung. Beispiel Sport: Oft gelten normal sportliche Kinder als unsportlich, weil sie steifere Muskeln haben. Sie versagen am Reck, beim Hochspringen, beim Volleyball. Wenn sich solche Kinder ausreichend warmlaufen, sind sie oft flinker, kraftvoller, „sportlicher“ als andere.

 

Wird diese schlummernde Begabung nicht erkannt, dann bleibt eine Chance ungenutzt, Ihrem Kind Selbstbewusstsein  zu vermitteln.

 

Es gibt Kinder, die bei warmem, drückendem Wetter schlechte sportliche Leistungen erbringen. Bei kühlem, frischem, regenreichem Wetter sind sie anderen Kindern überlegen. Das kann unter anderem mit Sauerstoffbedarf zu tun haben, kann ernährungsbedingt, hormonell bedingt sein. Mangelnder oder viel Schlaf können Ursache für gute oder schlechte sportliche Leistungen sein.

 

Eine andere Frage ist die Neigung zu bestimmten Sportarten. Kinder, die beim Fußballspielen keinen Ball treffen, sind möglicherweise hochtalentierte Schwimmer. Und Kinder, die in der Turnhalle von jedem Barren herunterfallen, haben möglicherweise eine verblüffende Begabung für Golf, Tennis oder Reiten.

 

Erfolge im Sport kräftigen das Selbstbewusstsein und stimulieren den Ehrgeiz, der für das Überleben in unserer Gesellschaft so wichtig ist. Sportlicher Erfolg bedeutet aber nichts anderes, als anderen überlegen zu sein. Nach dieser Formel können Sie bereits Ihrem Baby zu „sportlichen“ Erfolgen verhelfen. Ein Beispiel: Sie setzen sich neben Ihr Kind und lassen sich von ihm umschubsen, sodass Sie jedes Mal jammernd auf den Rücken fallen. Ein solches Spiel bereitet Ihrem Kleinen möglicherweise viel Vergnügen. Und es lernt, dass man im Spiel gewinnen, dass man der Bessere sein kann. Es lernt zudem, dass es Eltern überlegen sein kann. Ihre winzige Tochter macht so die Erfahrung, dass sie manchmal stärker ist als ihr Vater. Wenn diese Art der Erziehungsspiele fortgesetzt wird, wird sich Ihre Tochter später nicht so leicht unterdrücken lassen. Nicht von ihrem Mann, nicht im Beruf, weil sie es früh gelernt hat, sich („sportlich“) erfolgreich zur Wehr zu setzen.

 

Spätestens mit dem Eintritt ins Schulalter, aber eigentlich schon viel früher, manifestieren Kinder ihre Begabung für eine künstlerische Tätigkeit. Zu Spiel und Sport wird ein Kind meist von anderen Kindern mitgerissen, den Weg zur Entfaltung seiner kreativen, phantasievollen Kräfte findet es oft ganz  allein.

 

Deshalb dürfen Sie Ihr Kleinkind nicht tadeln, wenn es zum Beispiel mit der dreifarbigen Zahnpasta vergnügt eine wunderschöne Schlange auf die Badezimmerfliesen malt. Oder wenn es eine Kerze zerbricht und zerpflückt, um herauszufinden, welch immer neue, aufregende Kombinationen von Bruchstücken an dem Docht baumeln. Solche Wahrnehmungen können kostbar sein, wenn es um das spätere Wohl Ihres Kindes geht. Sie erfordern aber auch ein sehr aufmerksames, warmherziges Interesse für das, was in einer kleinen Kinderseele vorgeht.

 

Wenn kreative Kinder in solchen Situationen bestraft werden, wird künstlerische Betätigung, ihr phantasievolles Spiel fortan immer mit Angst verbunden sein. Ein solches Kind wird später, als Erwachsener, Mühe haben, sich selbst zu entfalten, sich zu verwirklichen.  

 

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